Warum Skills allein noch keinen guten Match machen

Freitag, 28. August 2026

Recruiting beginnt oft mit der Frage: Kann die Person den Job? Gerade in der IT stehen dabei Skills, Tools, Erfahrung und Seniorität im Fokus. Doch ein guter Match braucht mehr. Auch Erwartungen, Arbeitsmodell und Unternehmenskultur müssen passen. Unsere Auswertung von mehreren hundert Talentprofilen auf seekme.io zeigt: Talente bringen nicht nur Fähigkeiten mit, sondern auch klare Vorstellungen davon, wie sie arbeiten möchten.

Viele Talente denken nicht in einem einzigen Jobtitel

Ein klassisches Matching über Jobtitel greift zu kurz. In den ausgewerteten Profilen nennen Talente im Durchschnitt 3.5 mögliche Rollen. Fast drei Viertel geben mindestens zwei Wunsch-Rollen an.

Das passt gut zur Realität im IT-Sektor. Ein Product Owner kann auch Richtung Business Analyse denken. Ein Software Engineer kann Software-Architektur spannend finden. Ein Projektleiter bringt vielleicht Consulting-Erfahrung mit. Viele Profile liegen irgendwo zwischen Technologie, Produkt, Business und Führung.

Wer nur nach dem einen perfekten Titel sucht, läuft also Gefahr, relevante Talente zu übersehen.

Lohn ist kein Thema für ganz am Schluss

Der Median der Lohnerwartung liegt bei CHF 120’000. Besonders ab Mitte 30 liegen die Median-Lohnerwartungen deutlich über CHF 100’000.

Das ist keine Nebensache. Gerade bei erfahrenen IT-Profilen ist Lohn nicht einfach ein Detail, das man irgendwann im Prozess klärt. Wenn die Erwartung und der Rahmen weit auseinanderliegen, kann ein Match fachlich noch so gut aussehen, es wird dann trotzdem schwierig sich zu finden.

Transparenz spart allen Beteiligten Zeit.

Flexibilität ist längst eine Standarderwartung

Auch beim Arbeitsmodell zeigen die Daten ein klares Bild:

72.6 % der Talente wünschen sich Homeoffice.
74.5 % bevorzugen flexible Arbeitszeiten.

Das heisst nicht, dass alle nur remote arbeiten wollen. Aber Flexibilität ist im IT-Arbeitsmarkt kein Bonuspunkt mehr, sondern für viele ein zentraler Teil der Jobattraktivität.

Ein Job kann technisch perfekt passen. Wenn Arbeitszeitmodell und Homeoffice-Regelung nicht zur Lebensrealität passen, wird daraus trotzdem kein starker Match.

Der Arbeitsweg ist ein harter Filter

Mehr als drei Viertel der Talente wünschen einen Arbeitsweg von maximal einer Stunde und nur 5% würden mehr als 1.5h Arbeitsweg in Kauf nehmen. 

Das klingt banal, ist aber im Recruiting oft entscheidend. Standort, Pendelzeit und Homeoffice gehören zusammen. Ein Job in Zürich, St. Gallen, Bern oder Basel ist nicht nur eine Ortsangabe, er ist Teil der Matching-Realität.

Gerade im IT-Bereich, wo viele Rollen zumindest teilweise remote funktionieren, kann eine starre Standortlogik passende Talente unnötig ausschliessen.

Die Talentbasis auf seekme.io ist sehr erfahren

Der Median der Alterswerte liegt bei knapp 40 Jahren.

Das ist relevant, weil erfahrene Talente oft genauer wissen, was sie wollen. Sie bringen nicht nur Skills mit, sondern auch klare Erwartungen an Verantwortung, Autonomie, Kultur, Lohn und Arbeitsmodell.

Das Matching wird dadurch nicht einfacher. Aber ehrlicher.

Kultur ist mehr als ein Bauchgefühl

Auch bei den kulturellen Werten zeigen sich Unterschiede. Besonders stark sichtbar sind Empathie, Zusammenarbeit und Offenheit für Veränderung. Stabilität und Ambition sind ebenfalls vorhanden, aber deutlich differenzierter verteilt.

Das heisst: Werte sind nicht einfach ein nettes Thema für das letzte Interview. Talente unterscheiden sich darin, wie wichtig ihnen Autonomie, Sicherheit, Veränderung, Struktur, Anerkennung oder Teamorientierung sind. Und genau diese Faktoren entscheiden oft darüber, ob die Zusammenarbeit langfristig funktioniert.

Fazit: Ein Match ist mehrdimensional

Skills bleiben wichtig. Ohne fachliche Grundlage geht es nicht.

Aber Skills allein machen noch keinen guten Match. Nicht im IT-Recruiting, nicht bei erfahrenen Profilen und nicht in einem Markt, in dem Talente sehr genau wissen, wie sie arbeiten möchten.

Die Daten zeigen: Wer bessere Matches will, muss früher über mehr sprechen als nur über Technologien und Erfahrung. Über Lohn, Pensum, Homeoffice, Rollenentwicklung und Teamkultur.

Oder kurz gesagt:

Ein guter Lebenslauf zeigt, ob jemand den Job machen kann.
Ein gutes Matching zeigt, ob das Unternehmen, der Job und die Person wirklich zusammen passen.